Sonderdruck aus
Rinderwelt 5/1998
AgrarService-Verlag
Postfach 1367
D-53350 Rheinbach
SCHMERZFREI LAUFEN MIT EASY-BLOC
KLAUENERKRANKUNGEN MIT
EINEM KLOTZ "BEHANDELN"
von Helmut Ramesberger
und Georg Kellermann
Der Klauenverband ist out. Kranke Klauen lassen sich in vielen Fällen mit
einem kleinen Klotz aus Holz oder Kunststoff viel wirkungsvoller "behandeln".
Nicht immer ist es bei der Behandlung von kranken Rinderklauen notwendig, einen
Klauenverband anzulegen. In der Praxis bewährt hat sich eine wesentlich einfachere
und praktischere Methode: Das Anlegen eines Holz /Gummiklotzes oder Easy-Bloc. Nach
dieser Methode bilden Lehranstalten seit vergangenem Jahr aus. Danach sind Klauenverbände
bis auf wenige Ausnahmen nur vom Tierarzt anzubringen und auch dann nur nach erfolgten
Klauenoperationen, wie zum Beispiel der Amputation von Klauenbein oder Teilen davon.
Grundsätzlich gilt:
Werden bei den Tieren die Klauen regelmäßig und fachgerecht gepflegt, braucht man nur äußerst selten einen Holz- oder Gummiklotz bzw. einen Easy-Bloc anzubringen.
|
Zur fachgerechten Arbeit des Klauenpflegers gehört ein Klauenpflegestand mit einer
Fixiermöglichkeit für die einzelnen Gliedmaßen (ausführlich erläutert in der Artikel-Serie
"Gesunde Klauen", Rinderwelt 5/97 bis 1/98). Dieser muß ebenso wie das Werkzeug und die
Schutzausrüstung den Unfallverhütungsvorschriften entsprechen. Wir weisen an dieser Stelle
auch darauf hin, dass wir an der Lehr- und Versuchsanstalt Kringell nur noch an Pflegeständen
mit stehenden Tieren ausbilden.
Bei Feststellen einer Lahmheit muss nun unverzüglich die Klaue untersucht und die Art
der Erkrankung festgestellt werden. Handelt es sich um Panaritium im Anfangsstadium, kann
eine Behandlung mit homöopathischen Mitteln, wie zum Beispiel Theranekron, ausreichend sein.
Auf den Verband besser ganz verzichten
Bei der Erdbeerkrankheit (Mortellaro) sollte die Wunde lediglich getrocknet und mit antibakteriellen
Sprays, zum Beispiel Aureomycin, behandelt werden. Ein Verband ist hier nicht nötig. Den Verband
sollte man regelmäßig wechseln. Erfahrungsgemäß ist das sehr arbeitsaufwendig und unterbleibt deshalb
oft. Dadurch kann es zu noch größeren Schäden kommen:
- Bakterien finden in dem warmen und feuchten Milieu unter dem Verband eine ideale Brutstätte.
Das Horn bleibt sehr weich, weil es nicht trocknen kann und bietet damit den Erregern gute Angriffsmöglichkeiten.
- Die Wundheilung erfolgt eher langsamer, da das feuchte Horn nicht aushärtet. Defekte an der Lederhaut
heilen bei Sohlengeschwüren nur schwierig ab.
 |
|
Auf den Klauenverband am besten verzichten, raten Experten.
Stattdessen hilft ein Klotz, der unter die gesunde Klaue
angebracht wird und die kranke Klaue entlastet. |
In der Praxis muss also immer versucht werden, ohne Verband auszukommen. Bei Sohlengeschwüren sollte das
Bestreben sein, auch ohne Klotz Heilerfolge zu erzielen. Hierzu schneidet man die kranke Klaue niedriger
als die gesunde. Die gesunde Hufseite trägt nun den größten Teil des Gewichtes, die kranke Sohle kann so
leichter abheilen. Diese Entlastung der Außenklaue (die Innenklauen sind fast nie betroffen) allein durch
richtiges Beschneiden ist meist machbar und somit die billigste Art der Klauenbehandlung.
Gesunde Klaue erhöhen, kranke Klaue entlasten
Es gibt aber Fälle, in denen dieser Korrekturschnitt, das heißt ein Tieferschneiden
der kranken Klaue nicht mehr möglich ist. Dort empfiehlt es sich, den gesunden Hufteil
mit Hilfsmitteln zu erhöhen, um damit denselben Effekt zu erzielen. Dies reduziert das
Schmerzempfinden der Kuh und fördert eine rasche Abheilung.
Verschiedene Möglichkeiten der Erhöhung:
- Gummiklötze mit Spezialkleber. Diese haben den Nachteil, daß sie eventuelle
Unebenheiten der gesunden Klauen nicht ausgleichen können.
- Gummiklötze mit Hufnägeln (nur für erfahrene Klauenpfleger zu empfehlen),
- Holzklötze mit Spezialkunststoffmasse sowie
- Easy-Bloc der Firma Demotec.
Holzklotz und Easy-Bloc werden von der gleichen Firma vertrieben und mit der gleichen Spezialkunststoffmasse angebracht.
Nicht teurer als Verband
Mit dieser einfachen und relativ billigen Methode sind in der Praxis hervorragende Heilungserfolge möglich.
"In weniger als 10 Minuten ist die kranke Klaue wieder voll belastbar und die Kuh schmerzfrei"
Die Kosten für einen einmaligen Verband liegen etwa in gleicher Höhe, wobei die Heilungsaussichten und die
Möglichkeit der Schmerzreduktion für das Tier nicht in dem Umfang möglich sind. Bei Easy-Bloc und Holzklotz
ist kein Wechsel erforderlich, der Verband hingegen ist häufig zu erneuern und verteuert wegen des
erhöhten Materialverbrauchs und der Mehrarbeit die ganze Behandlung erheblich.
Eine Behandlung mit dem Easy Bloc setzt aber immer eine gesunde Gegenklaue voraus, die während des
Behandlungszeitraums einer erhöhten Belastung standhält.
Neben dem Easy-Bloc bietet sich der Holzklotz ebenfalls hervorragend zum Erhöhen des gesunden Hufteils an.
Die Verfahrensweise ist die Gleiche, allerdings ist die Klaue und der Holzklotz mit Kunststoffmasse zu
bestreichen, wobei im Ballenbereich kein Kleber aufgebracht werden darf, da es sonst zu Druckstellen in diesem
für die Kuh schmerzempfindlichen Bereich kommt. Der Holzklotz lässt sich beidseitig verwenden, deshalb beim
Bestreichen mit der Kunststoffmasse auf die richtige Seite achten. Den Kunststoff modelliert man mit nassen Händen
um Klotz und aufgerauhte Klauenwand wie einen Pantoffel und lässt ihn aushärten. Das weitere Vorgehen entspricht
dem beim Easy-Bloc, ebenso das Entfernen. Der Hersteller bietet mit den Bezeichnungen "Demotec 90" und "Demotec 95"
verschiedene Klebemassen an, wobei beide nach unseren Erfahrungen gleich gut sind. "Demotec 95" verspricht eine
etwas leichtere Handhabung, weil die Masse bereits zu Beginn zäher ist.
 |
|
Nach Anbringen des Klotzes kann die Kuh wieder ohne Schmerzen
gehen. Die kranke Klaue ist entlastet. |
Kostenvergleich Holzklotz/Easy-Block |
| |
 |
Holzklotz |
 |
Easy-Bloc |
| Stück |
 |
8 DM |
 |
10 DM |
| So bringen Sie einen Easy-Bloc an: |
 |
 |
 |
 |
 |
| 1. Pediküre an der gesunden Klaue durchführen, dabei bereits etwas mehr Horn an der Klaue belassen, da mit diese unempfindlicher gegenüber der Wärmeentwicklung des Kunststoffes wird. |
 |
2. Behandlung bzw. korrektes Ausschneiden der kranken Klaue. Dabei soll das gesamte lose Horn entfernt werden und/oder das Geschwür freigelegt werden. Auf Geschwüre an der Lederhaut braucht, wie früher üblich, zum Abheilen kein Druckverband mehr aufgebracht werden. |
 |
3. Nun bereiten wir die gesunde Klaue auf das Anbringen des Klotzes oder Easy-Blocs vor: Die Klaue wird - auch an der Außenwand - mit dem Winkelschleifgerät oder mit einer Hufraspel aufgerauht. Die Klaue soll schmutz- und staubfrei sein, damit der Kunststoff sich gut mit der Klaue verbindet. |
| |
 |
 |
 |
 |
 |
| 4. Die Flüssigkeit wird direkt in den Easy-bloc bis zur Markierung gegeben. Dieses Material ist für den unerfahreneren Klauenpfleger leichter zu handhaben als der Holzklotz. |
 |
5. Anschließend kommt das Pulver (Kaltpolymerisat) dazu, wird zu einer homogenen Masse verrührt und an der Klaue richtig plaziert. |
 |
6. Damit sich der Kunststoff gleichmäßig verteilt, drückt man den Schuh kräftig an und verteilt überschüssigen Kunststoff mit dem Holzspatel in eventuelle Öffnungen um den Easy-Bloc. |
| |
| Wichtige Tips: |
- Sollten Arbeiten mit den blanken Händen an der Kunststoffmasse zum Formen und Modellieren
durchgeführt werden, so sind diese mit Wasser zu benetzen, damit das Kaltpolymerisat nicht
an den Händen festklebt.
- Besondere Sorgfalt gilt dem Klauenspalt. Eine scharfe Kante oder Spitze der harten Klebemasse
kann schnell zu Verletzungen führen.
- Je nach Temperaturhöhe ist der Kunststoff in ca. fünf Minuten ausgehärtet und die Klaue voll
belastbar. Bei hohen Temperaturen geht dies sehr rasch, im Winter kann eventuell mit einem Fön
die Temperatur künstlich erhöht werden.
- Die lädierte Klaue eventuell noch mit einem Wund- oder Desinfektionsspray besprühen.
Anschließend kann die lahmende Kuh wieder in den Laufstall entlassen werden. Der Easy-Bloc
darf nun bis zu vier Wochen dranbleiben, ohne dass eine weitere Kontrolle, wie sie z. B.
beim Verband unbedingt erforderlich ist, durchgeführt werden muss.
- Durch natürlichen Verschleiß verringert sich die Höhe des Easy-Blocs oder des Holzklotzes
in dieser Zeit. Nachkontrolle und Entfernen bleibt aber unerlässlich. Spätestens nach vier
Wochen sollte diese erfolgen. Zu dem Zeitpunkt weist die behandelte Klaue eine ausreichende
Hornschicht auf, die sich gegebenenfalls leicht korrigieren lässt. Vom gesunden Hufteil muss
der Rest des Easy-Blocs oder Holzklotzes und die Kunststoffmasse entfernt werden. Dazu benötigt
man eine Hauklinge und einen Hammer oder den Winkelschleifer.
|
Demotec
Intelligente Problemlösungen

|
|