Sonderdruck aus
VET 9/92, VII. Jg.
Labhard-Verlag GmbH
Labhardsweg 6
D-78462 Konstanz
LAHMHEITSBEHANDLUNG
ERFAHRUNGEN MIT DEM NEUEN
KUNSTSTOFFKLEBER DEMOTEC 95
von H. Surborg
Nach wie vor nimmt die Behandlung von Lahmheiten einen
hohen Stellenwert in der Rinderpraxis ein. Neben häufiger
sogar endemisch auftretenden bakteriellen Infektionen
("Panaritium") hat es der Buiatriker mit
Einzeltiererkrankungen (Sohlengeschwüren) zu tun, die
größtenteils die Folge mangelhafter Klauenpflege sind
(Hortig, 1979). Während der moderne Landwirt viele,
früher eher dem Tierarzt übertragene Aufgaben wahrnimmt,
vernachläßigt er oftmals die regelmäßige Klauenpflege seines
Milchviehs; sei es, daß er die Wichtigkeit dieser Maßnahme
nicht erkannt hat, ihm die Arbeit zu mühsam ist oder er keine
geeignete Person für die Klauenpflege findet. Dem Tierarzt
werden aber auch "vorbehandelte" Kühe vorgestellt die
durch rapide Abmagerung keinen Marktwert mehr besitzen
und daher gerettet werden sollen.
Aufheben der erkrankten Gliedmasse
Zur Untersuchung und Behandlung von Klauenleiden ist ein
gefahrarmes Aufheben des erkrankten Fußes notwendig.
Besonders gut eignen sich hierzu eine Vielzahl verschiedener
stationärer Klauenpflegestände, die jedoch dem Praktiker,
besonders bei der Arbeit auf der Weide, oftmals nicht zur
Verfügung stehen.
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Abbildung 1: Aufheben des linken
Hinterbeines. Das
herabhängende Seil ist am
Frontlader eines Traktors
befestigt. |
Eine einfache Methode zum Aufheben eines Hinterbeines mit
einem am Frontlader eines Traktors hängenden Seil ist in
Abbildung 1 dargestellt. Durch umlegen des Stockes über
den Fersensehnenstrang wird eine zusätzliche Bremswirkung
erzielt (Stöber, 1971). Das derart aufgehobene Bein kann
von einem Helfer auch über längere Zeit mühelos aufgehalten
werden. Der in den Niederlanden gebräuchliche fahrbare
Klauenwagen ist ebenfalls gut geeignet (Abb. 2).
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Abbildung 2:
Einfacher, mit dem Auto
zu transportierender
Klauenwagen
(Niederländisches Modell)
für Weidebehandlungen,
der auch gut zur
Behandlung von
Zitzenverletzungen
verwendet werden kann.
Der Patient steht auf dem
Erdboden, sodaß es kaum
zur Verschmutzung des
Wagens kommt. |
Schmerzausschaltung
Bei schmerzhaften Eingriffen ist eine Anästhesie der zu
behandelnden Klaue notwendig. Nur so kann
tierschutzgerecht und lege artis behandelt werden. Als
Methode der Wahl bietet sich die regionale intravenöse
Lokalanästhesie (Avemann, 1975) an, die am medikamentell
ruhiggestellten Tier einfach durchführbar ist (Abb. 3).
Nach Anlegen einer Gummiligatur proximal am Metatarsus
tritt der Ramus cranialis der Vena saphena lateralis mit
beidene Ästen infolge Stauung mehr oder weniger stark
hervor oder ist an seiner Fluktuation palpatorisch deutlich
erkennbar. Mit einer etwa 1,8 mm starken Einmalkanüle
wird nach Reinigung die Vene punktiert und austretendes
Blut abgelassen. Anschließend werden 20 ml eines 2%igen
Lokalanästhetikums injiziert und die Punktionsstelle mit
einem jodgetränkten Wattebausch komprimiert, um einen
Rückfluß des Anästhetikums zu verhindern. Innerhalb von 3
Minuten stellt sich unterhalb der Abschnürung eine
vollständige Schmerzausschaltung ein.
Kleben eines Holzklotzes
Von großer Hilfe bei der Behandlung schwerwiegender
Klauenleiden ist die Entlastung der erkrankten Klaue durch
das Kleben eines Holzklotzes (Surborg, 1984). Seit etwa 3
Jahren wurde in der Praxis ein neuentwickelter Kleber der
Fa. Demotec, D-6369 Nidderau, benutzt. Beim Modellieren
des Klotzes zeichnet sich dieses Produkt durch seine
Klebefreiheit an den Händen aus, welches beim Arbeiten auf
der Weide als besonders angenehm empfunden wurde. Um
jeglichen Hautkontakt mit den Substanzen zu vermeiden,
kann auch mit Latexhandschuhen gearbeitet werden.
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Abbildung 3:
Regionale intravenöse
lokale Anästhesie durch
Punktion der mittels eines
Gummischlauches
gestauten Vena digitalis
dorsalis communis IV.
Innerhalb von 3 Minuten
stellt sich unterhalb der
Abschnürung eine
vollständige Anästhesie
ein. |
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Abbildung 4:
Mit Hilfe eines
Winkelschleifers kann die
gesunde Gegenklaue
schnell von losem Horn
und Schmutz befreit
werden. |
Die Gegenklaue wird, falls erforderlich, korrigiert und mit
Hilfe eines Winkelschleifers (Abb. 4), des Klauenmessers
oder einer Raspel vom losen Horn und grobem Schmutz
befreit und mit einem alkoholgetränkten Wattebausch
gereinigt. Es hat sich als zweckmäßig erwiesen, daß bei
eindeutiger Indikation der Klotz vor der chirurgischen
Behandlung der erkrankten Klaue angebracht wird, um eine
Verunreinigung durch eventuell austretenden Eiter oder Blut
zu vermeiden und die Aushärtungszeit für die
Klauenbehandlung zu nutzen.
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Abbildung 5:
Der Kleber wird sofort
nach dem Homogenisieren
in dünner Schicht auf die
gesunde Gegenklaue
aufgetragen. |
Das Pulver muß mit der zugehörigen Flüssigkeit mit
beiliegendem Spatel in vorgeschriebenen Mengen
homogenisiert und sofort auf die Sohlenfläche der gesunden
Gegenklaue in dünner Schicht aufgetragen werden (Abb. 5).
Die restliche Menge des inzwischen zu einer klebefreien Masse
gewordenen Kunststoffes wird auf die der Klauensohle
zugewandten Fläche des Holzklotzes gebracht (Abb. 6).
Dieser kann nun der Klauensohle angepaßt werden. Durch
leichten Druck quillt das Material zwischen Sohlenfläche und
Klotz hervor (Abb. 7). Dieses kann nun sorgfältig über die
seitliche Nut des Holzklotzes und das Wandhorn modelliert
werden (Abb. 8). Nach wenigen Minuten ist der Kunststoff
ausgehärtet und nach dem Erkalten voll belastungsfähig.
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Abbildung 6:
Die restliche Menge von
DEMOTEC 95 kommt auf
die der Klauensohle
zugewandte Fläche des
Holzklotzes |
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Abbildung 7:
Durch leichten Druck
quillt das Material
zwischen Sohlenfläche
und Klotz hervor... |
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Abbildung 8:
... und kann sorgfältig
über die seitliche Nut und
das Wandhorn modelliert
werden. |
Die im Versuchszeitraum geklebten Holzklötze hatten
ausnahmslos eine gute Haltbarkeit. Wenn die Patienten die
Klötze nach Ausheilung des Klauenleidens nicht spontan
verloren, mußten sie mit Hilfe eines Meißels oder eines
Stemmeisens durch einen kräftigen Schlag auf den Bereich
zwischen Klauensohle und Holzklotz entfernt werden.
Es ist notwendig, den Kleber im Sommer vor dem
Verarbeiten kühl aufzubewahren, da die Aushärtungszeit
temperaturabhängig ist. Bei hohen Temperaturen reagiert der
Kunststoff für eine saubere Verarbeitung zu schnell. Bei
kühler Umgebungstemperatur kann die Flüssigkeit im
Wasserbad schnell auf die optimale
Verarbeitungstemperatur gebracht werden.
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Abbildung 9:
Klauenbeinfraktur bei
einem Jungbullen. Die
erkrankte Klaue wird
durch das Kleben eines
Holzklotzes auf die
gesunde Klaue entlastet,
so daß es sofort zu einer
deutlichen Besserung des
Lahmheitsgrades kommt. |
Indikationen für die Entlastung der behandelten Klaue sind
alle mit hochgradiger Lahmheit einhergehenden
Klauenerkrankungen, Klauengelenkserkrankungen oder
Klauenbeinfrakturen (Abb. 9). Voraussetzung ist jedoch
eine gesunde Gegenklaue, da sie über einen gewissen
Zeitraum einer doppelten Belastung ausgesetzt wird.
Literatur:
- Avemann, M. (1974): Prüfung des von Antalovsky
angegebenen Verfahrens zur intravenösen regionalen
Betäubung im Zehenbereich des Rindes auf seine praktische
Brauchbarkeit Vet. med. Diss., Hannover
- Hortig, H. (1979): Prüfung etwaiger Zusammenhänge
zwischen dem Auftreten von Lahmheiten im Klauenbereich
und der Klauenpflege sowie Haltungsbedingungen des
Rindes. Vet. med. Diss., Hannover
- Stöber, M. (1971): Zwangsmittel beim Rind. Prakt.
Tierarzt 61, 310-316
- Surborg, H. (1984): Aspects of Treatment of Severe Claw
Diseases in a Large Animal Practice. The Bovine
Practitioner 19, 227-230
Anschrift des Verfassers:
Dr. Helmut Surborg
Betzhorn - Apfelstraße 6
D-3126 Wahrenholz
Demotec
Intelligente Problemlösungen
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