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DAS SAGT DIE PRESSE

Der Klotz als sinnvolle Entlastungsmöglichkeit

Sonderdruck aus
Milchpraxis 2/00
Verlag Th. Mann
Nordring 10
D-45894 Gelsenkirchen

 

LAHMHEITSBEHANDLUNG DER NEUEN GENERATION
DER KLOTZ ALS SINNVOLLE ENTLASTUNGSMÖGLICHKEIT
von Andrea Fiedler, München

Im Zuge der fortschreitenden Industrialisierung in der Landwirtschaft macht diese auch nicht vor den Toren der heutigen Milchviehställe halt. Bedingt durch die hohen Leistungsanforderungen an die Landwirtschaft steht die Wirtschaftlichkeit in der Nutztierhaltung inzwischen stets an erster Stelle. Nur eine gesunde Milchviehherde bringt eine optimale Leistung hinsichtlich Milchleistung und Fruchtbarkeit. Durch Herdenmanagement kann die Überwachung dieser Gesundheit optimiert werden.

Waren es in früheren Jahren vor allem Euterentzündungen und Fruchtbarkeitsprobleme, die die Wirtschaftlichkeit sowohl des Einzeltieres als auch der gesamten Herde in Frage stellten, sind in den letzten 25 Jahren die Gliedmaßenerkrankungen mit zur häufigsten Abgangsursache geworden (Distl, 1996).

Die harten und planen Stand- und Laufflächen fordern eine optimale Gliedmaßengesundheit von Hochleistungskühen - andernfalls bleiben die Tiere im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke. Im Gegensatz zu der vor einigen Jahrzehnten noch weit verbreiteten Weidehaltung verlässt ein Großteil der Kühe den Stall nicht mehr. Auf einem nachgiebigen Weidenuntergrund war der Klauenabrieb und die Belastung der Klauenpaare völlig anders, als dies eben auf den angesprochenen harten Stand- und Laufflächen der Fall ist. Diese geänderten Nutzungsansprüche haben zur Folge, dass sich die Klauenerkrankungen wesentlich stärker auf die Gesundheit der Tiere auswirken.

Wirtschaftliche Einbußen durch Klauenprobleme

Bereits geringgradige Probleme an den Klauen verursachen den betroffenen Kühen deutliche Schmerzen. Neben einer rasch absinkenden Milchleistugn ist es vor allem die eingeschränkte Bewegungsfähigkeit, die die Wirtschaftlichkeit drastisch senken kann. Untersuchungen aus Großbritannien führen neben dem verminderten Milchertrag, dem Gewichtsverlust und dem eventuellen vorzeitigen Abgang vor allem eine geringere Fruchtbarkeit als Hauptproblem an (Greenough PR et al., 1997).

Abbildung 1: Unter dem Beugeknorren des Klauenbeins ist deutlich das Rusterholzsche Sohlengeschwür zu erkennen

Schmerzhafte Zustände an den Gliedmaßen führen zu vermehrtem Liegen und Bewegungsverlust. Eine Brunst kann so leicht übersehen werden. Der Landwirt benötigt mehr Zeit zur Brunstbeobachtung, die Zwischenkalbzeit verlängert sich und z.T. werden aus Unkenntnis der Ursache Hormonbehandlungen bei den "unfruchtbaren" Tieren durchgeführt. Eine regelmäßige alle 5-6 Monate durchgeführte Funktionelle Klauenpflege kann zahlreiche Klauenerkrankungen verhindern bzw. Erkrankungen aufdecken und der Behandlung zuführen. Zentraler Punkt aller Krankheiten, die Horndefekte betreffen, ist eine Entlastung der erkrankten Klaue.

Im Folgenden werden die wichtigsten Klauenleiden dargestellt, bei denen durch eine fachgerechte Entlastung der betroffenen Klaue bereits während der Heilung eine deutliche Verbesserung des Wohlbefindens der Kuh herbeigeführt werden kann.

1. Rusterholzsches Sohlengeschwür

Aufgrund der anatomischen Gegebenheiten im Hornschuh einer Klaue drückt auf der Sohlenfläche am Übergang zwischen weichem und hartem Horn der sog. Beugeknorren des Klauenbeins mit jedem Schritt nach unten (siehe Abbildung). Dieser knöcherne Beugesehnen-Ansatz ist von der Natur mit einem Fettpolster unterpolstert. Sind die Klauen jedoch zu lang und zu hoch (das Gewicht liegt dann vermehrt auf den Ballen) und fehlt eine fachgerecht angelegte Hohlkehlung, wird der typische Druckpunkt vor allem an den hinteren Außenklauen überlastet. Durchblutungsprobleme der hornbildenden Lederhaut an dieser Stelle sind die Folge. Nachfolgend wird von der so geschädigten Lederhaut minderwertiges Horn gebildet, das herausbrechen kann.

Abbildung 2: Die Entlastung der erkrankten Klaue erfolgt hier durch Anbringen eines easy-Blocs an der Innenklaue

Jeder Schritt verstärkt den Druck auf die umgebende Sohlenfläche. Die entzündete, z.T. freiliegende Lederhaut wird herausgedrückt. Dieser sogenannte Lederhautvorfall kann breitflächig, aber auch gestielt hervortreten und verursacht dem Tier spätestens jetzt Schmerzen. Doch bereits geringgradige Formen des Rusterholzschen Sohlengeschwürs beeinträchtigen das Wohlbefinden ungemein.
Wird nicht umgehend gehandelt, nimmt der Schweregrad der Erkrankung unaufhaltsam zu und gipfelt in einem Durchbruch in die Tiefe - Sehne, Sesambein und Klauengelenk werden in Mitleidenschaft gezogen. Dann kann nur noch eine chirurgische Maßnahme helfen.

Entlastung der erkrankten Klaue schafft Abhilfe

Im Mittelpunkt der Behandlung eines Rusterholzschen Sohlengeschwürs steht die Entlastung der betroffenen Klaue. Bereits bei der fachgerecht durchgeführten Funktionellen Klauenpflege wird das "Geschwür" vorsichtig umschnitten, keinesfalls herausgeschnitten. Im Rahmen der anzulegenden Kehlung werden die Hornränder um den Defekt ausgedünnt, die umgebende Sohlenfläche und der Ballen werden so niedrig wie möglich geschnitten. Durch dieses Zurücknehmen an Sohlendicke soll beim Fußen des Klauenpares die tragfähige gesunde Klaue vorübergehend mehr Last übernehmen. Häufig ist bei einer fachgerechten Klauenpflege dieser entlastende Schnitt völlig ausreichend - die kranke Klaue "schwebt" beim Laufen.
Kann die erkrankte Klaue nicht ausreichend entlastet werden, ist das Anbringen eines Klotzes unter die gesunde - meist innere - Klaue möglich (Abbildung 3). Zuvor muss in jedem Fall geprüft werden, ob die so für einige Zeit überbelastete Klaue auch tragfähig ist. Am einfachsten geschieht dies mit Hilfe der sog. Hufzange, einer stumpfen Zange, mit der an verschiedenen Stellen mäßiger Druck auf die zu untersuchende Klaue ausgeübt wird (siehe Abbildung 3). Zeigt das Tier keinerlei Schmerzreaktion, kann ein Klotz eingesetzt werden, der zur optimalen Fußung mit der Klauenspitze nach vorne abschließt. Andernfalls wird ein unterpolsterter Verband auf die "gesündere" Klaue angebracht. So wird diese erhöht und übernimmt die Hauptlast.

Abbildung 3: Die Klaue wird vor Anbringen eines Klotzes auf Tragfähigkeit hin geprüft

Ist trotz der Entlastung des Rusterholzschen Sohlengeschwürs durch Klauenpflege, gegebenenfalls kombiniert mit einem Klotz, die Gefahr der Verletzung der freiliegenden Lederhaut gegeben, muss ein gut sitzender Verband angebracht werden. Folgende Punkte sind zu beachten: Keinesfalls darf durch den Verband die erkrankte Klaue wieder mit dem Boden in Berührung kommen - niemals darf somit ein Verband nur auf die erkrankte Klaue gewickelt werden. Stets muss ein Klotz zur Erhöhung der gesunden Klaue dienen oder die gesunde Klaue wird im Verband stärker unterpolstert. Ein Verband darf niemals länger als eine Woche an der Gliedmaße verbleiben - die Gefahr der Keimvermehrung im Verband, die Bildung von Druckstellen oder gar ein Einwachsen muss unbedingt vermieden werden.

Durch die frühzeitige Entlastung einer betroffenen Klaue kann das erkrankte Tier bereits während der Heilung wieder eine optimale Leistung bringen. Ein angebrachter Klotz muss jedoch während seiner gesamten "Nutzungsdauer" von maximal 4 Wochen (dann nach erneuter Klauenpflege, falls nötig, einen neuen Klotz kleben) eine ausreichende Entlastung gewährleisten. Die handelsüblichen Holzklötze, die sich naturgemäß relativ rasch abreiben, bieten durch ihre Höhe eine gewisse Sicherheit. Deshalb ist es in keinem Fall sinnvoll, die Klötze entlang der eingefrästen Nut zu halbieren. Diese Vertiefung ist vor allem dazu gedacht, dem Kleber eine mechanische Verankerung zu bieten, damit die Holzklötzchen sicher und fest fixiert werden können.

Die Firma Demotec bietet für besondere Fälle eine Reihe von Holzklötzen in Sondergrößen an. Größere, längere Klötze bieten vor allem bei der Behandlung von schweren Kühen oder Bullen mit großen Klauen eine gute Alternative (der Klotz sollte stets etwas über den Ballen nach hinten herausragen). Höhere Klötze ermöglichen eine stärkere Entlastung und keilförmige Klötze unterstützen die Klauenbehandlung bei sehr niedrigen Trachten.

In diesem Zusammenhang muss, wie bei den "normalen" Holzklötzen auch, natürlich die vorübergehende Überbelastung der erhöhten Klaue und auch der gegenüberliegenden Gliedmaße "klauengepflegt" werden! Kleber der neuen "Generation 95" erleichtern das Ankleben der Klötzchen. Der Kleber hat direkt nach dem Anmischen eine kuchenteigartige Konsistenz und lässt sich schnell und ohne an den Fingern zu kleben modellieren.

Kunststoff-Schuhe als Alternative

Neben den Holzklötzen sind auch Gummiklötze und Kunststoff-Schuhe im Handel. Auch hier hat sich die Firma Demotec etwas Besonderes einfallen lassen. Die neueste Generation ihrer Kunststoff-Schuhe birgt mehrere Vorteile. Im Gegensatz zu anderen Schuhen, die nach dem Aufkleben auf die gesunden Klauen diese stark verlängern und somit das Tier zwingen, die Gliedmaße wieder am Druckpunkt zu belasten, erscheint der Klotz am Easy Bloc der Firma Demotec nach hinten versetzt. Das erleichtert das ergonomisch richtige Ankleben.

Abbildung 4-7: Die Klaue wird fachgerecht gepflegt und etwas aufgeraut. Der Kleber wird in den vorderen 2/3 der Klaue aufgetragen, der Sitz des Klotzes an der Klauenspitze überprüft. Der Klotz muss frei über dem weichen Ballen schweben. Dies ist auch beim Kunststoffschuh zu beachten

Nach Anbringen des ausreichend großen Schuhs an der Klaue füllt der Kleber den verbleibenden Hohlraum an der Schuhspitze aus und die Klotzspitze schließt mit der Klauenspitze ab. Dies ist auch an der freibleibenden Klaue überprüfbar sowie nötigenfalls korrigierbar.

Die Klebemasse kann direkt im Schuh angerührt werden und während der Aushärtung kann der Schuh leichter als ein reiner Klotz auch bei unruhigen Tieren mit der Hand fixiert werden. Durch die Verwendung abriebfester Kunststoffe und einer stabilen Sohlenfläche ist die Abnutzung des Easy Blocs minimal.

Abbildung 8: Ein Klotz, der nicht mit der Klauenspitze abschließt, belastet den Druckpunkt durch erzwungenes Unterstellen der Gliedmaße

Auch die Entfernung des neuartigen Klotzes ist bei einem Einsatz der Klauenzange relativ einfach. Da das Oberteil des Schuhs nur aus einer dünnen Kunststoffhülle besteht, kann er mit einer Klauenzange leicht entfernt werden.

2. White-line Disease

Neben dem Rusterholzschen Sohlengeschwür, das nach eigenen Untersuchungen (1998) im Laufstall 9 % der Tiere betrifft, in der Anbindehaltung bei über 17 % der Kühe auftritt, stellt die sogenannte, "white-line disease" mit 17,5 % im Laufstall und 9,5 % in der Anbindehaltung einen weiteren schwerwiegenden Faktor in der Klauengesundheit dar.

Diese "white-line disease", also eine Erkrankung der weißen Linie, ist durch eine "Geschwür"-Bildung entlang der weißen Linie charakterisiert. Im Bereich der seitlichen Klauenwand fallen auf der Sohle zuerst kleine, dunkle, rissartige Verfärbungen an der weißen Linie auf. Bei einer fachgerechten Funktionellen Klauenpflege werden diese Defekte durch Entlastungsschnitte entfernt.

Häufig finden sich hier bereits tiefgreifende Prozesse, die die Lederhaut entlang der Wand Richtung Kronsaum betreffen. Die Lederhaut erscheint dunkel verfärbt, umfangsvermehrt und das umgebende Horn, evtl. bis zum Kronsaum und z.T. auch an der Sohle, ist unterminiert. Der Ursprung dieser Erkrankung wird in der sog. subklinischen (dauerhaft unterschwelligen) Klauenrehe gesehen. Dabei handelt es sich im weitesten Sinne um eine Durchblutungsstörung, häufig ausgelöst durch gefäßaktive Giftstoffe. Diese "Giftstoffe" zirkulieren z.B. bei Pansenentzündungen (Übersäuerung!) oder anderen chronischen Entzündungen im Körper und schädigen die Klauenlederhaut schwer. Daneben können Bodenerhebungen (kleine Stufen, hervorstehnde Muttern in den Liegeboxen usw.) die Wand zum Ausbrechen bringen.

Eine fachgerechte Entlastung durch Umschneiden der erkrankten Lederhaut und Ausdünnen der Ränder, der Sohlenfläche und des Ballens ermöglicht auch hier bei rechtzeitigem Eingreifen eine rasche Heilung. Unter den bereits genannten Voraussetzungen kann das Anbringen eines Klotzes die Entlastung ergänzen. Die Heilung erfolgt, während das Tier bereits wieder voll leistungsfähig ist.

Wird auch hier frühzeitig entlastend eingegriffen, kann das Ausmaß des Wanddefektes, der häufig die ganze Seitenwand umfasst, eingedämmt werden. Andernfalls ist mit einer langwierigen Heilungsdauer zu rechnen, zumal unbedingt die Ursache der "white-line disease" behoben werden muss. Wird die Lederhaut weiterhin dauherhaft geschädigt, verzögert sich natürlich auch die Heilung. Somit ist jede Form von "Geschwür", sei es an der Sohlenfläche oder entlang der Klauenwand, durch eine fachgerechte Entlastung der Heilung zuzuführen. Daneben können natürlich auch - bei Ballenhornfäule recht häufig - umfangsvermehrte, entzündete Außenballen durch eine Entlastung abheilen - ein Klotz auf der gesunden inneren Klaue schafft Abhilfe. Auch eine sogenannte "doppelte Sohle", die nach ihrer stets nötigen vollständigen Entfernung die Sohlenfläche weich und verletzungsgefährdet zurücklässt, kann durch Entlastung abheilen. Auch die doppelte Sohle entsteht durch Durchblutungsstörung - die Lederhaut stellt vorübergehend die Hornproduktin ein, es entsteht ein Hohlraum.

Neben der stets notwendigen, fachgerecht durchgeführten Funktionellen Klauenpflege, kombiniert mit einem Entlastungsschnitt, kann der Einsatz von Klötzen die Wirtschatlichkeit der betroffenen Tiere in kürzester Zeit wieder herstellen.

 

Anschrift der Autorin:
Dr. Andrea Fiedler
Mangstr. 10b
D-80997 München


Erfahrungen mit Easy-bloc

Sonderdruck aus
Rinderwelt 5/1998
AgrarService-Verlag
Postfach 1367
D-53350 Rheinbach

SCHMERZFREI LAUFEN MIT EASY-BLOC
KLAUENERKRANKUNGEN MIT EINEM KLOTZ "BEHANDELN"
von Helmut Ramesberger
und Georg Kellermann

Der Klauenverband ist out. Kranke Klauen lassen sich in vielen Fällen mit einem kleinen Klotz aus Holz oder Kunststoff viel wirkungsvoller "behandeln".

Nicht immer ist es bei der Behandlung von kranken Rinderklauen notwendig, einen Klauenverband anzulegen. In der Praxis bewährt hat sich eine wesentlich einfachere und praktischere Methode: Das Anlegen eines Holz /Gummiklotzes oder Easy-Bloc. Nach dieser Methode bilden Lehranstalten seit vergangenem Jahr aus. Danach sind Klauenverbände bis auf wenige Ausnahmen nur vom Tierarzt anzubringen und auch dann nur nach erfolgten Klauenoperationen, wie zum Beispiel der Amputation von Klauenbein oder Teilen davon.

Grundsätzlich gilt: Werden bei den Tieren die Klauen regelmäßig und fachgerecht gepflegt, braucht man nur äußerst selten einen Holz- oder Gummiklotz bzw. einen Easy-Bloc anzubringen.

Zur fachgerechten Arbeit des Klauenpflegers gehört ein Klauenpflegestand mit einer Fixiermöglichkeit für die einzelnen Gliedmaßen (ausführlich erläutert in der Artikel-Serie "Gesunde Klauen", Rinderwelt 5/97 bis 1/98). Dieser muß ebenso wie das Werkzeug und die Schutzausrüstung den Unfallverhütungsvorschriften entsprechen. Wir weisen an dieser Stelle auch darauf hin, dass wir an der Lehr- und Versuchsanstalt Kringell nur noch an Pflegeständen mit stehenden Tieren ausbilden.

Bei Feststellen einer Lahmheit muss nun unverzüglich die Klaue untersucht und die Art der Erkrankung festgestellt werden. Handelt es sich um Panaritium im Anfangsstadium, kann eine Behandlung mit homöopathischen Mitteln, wie zum Beispiel Theranekron, ausreichend sein.

Auf den Verband besser ganz verzichten

Bei der Erdbeerkrankheit (Mortellaro) sollte die Wunde lediglich getrocknet und mit antibakteriellen Sprays, zum Beispiel Aureomycin, behandelt werden. Ein Verband ist hier nicht nötig. Den Verband sollte man regelmäßig wechseln. Erfahrungsgemäß ist das sehr arbeitsaufwendig und unterbleibt deshalb oft. Dadurch kann es zu noch größeren Schäden kommen:

  • Bakterien finden in dem warmen und feuchten Milieu unter dem Verband eine ideale Brutstätte. Das Horn bleibt sehr weich, weil es nicht trocknen kann und bietet damit den Erregern gute Angriffsmöglichkeiten.
  • Die Wundheilung erfolgt eher langsamer, da das feuchte Horn nicht aushärtet. Defekte an der Lederhaut heilen bei Sohlengeschwüren nur schwierig ab.

Auf den Klauenverband am besten verzichten, raten Experten. Stattdessen hilft ein Klotz, der unter die gesunde Klaue angebracht wird und die kranke Klaue entlastet.

In der Praxis muss also immer versucht werden, ohne Verband auszukommen. Bei Sohlengeschwüren sollte das Bestreben sein, auch ohne Klotz Heilerfolge zu erzielen. Hierzu schneidet man die kranke Klaue niedriger als die gesunde. Die gesunde Hufseite trägt nun den größten Teil des Gewichtes, die kranke Sohle kann so leichter abheilen. Diese Entlastung der Außenklaue (die Innenklauen sind fast nie betroffen) allein durch richtiges Beschneiden ist meist machbar und somit die billigste Art der Klauenbehandlung.

Gesunde Klaue erhöhen, kranke Klaue entlasten

Es gibt aber Fälle, in denen dieser Korrekturschnitt, das heißt ein Tieferschneiden der kranken Klaue nicht mehr möglich ist. Dort empfiehlt es sich, den gesunden Hufteil mit Hilfsmitteln zu erhöhen, um damit denselben Effekt zu erzielen. Dies reduziert das Schmerzempfinden der Kuh und fördert eine rasche Abheilung.

Verschiedene Möglichkeiten der Erhöhung:

  • Gummiklötze mit Spezialkleber. Diese haben den Nachteil, daß sie eventuelle Unebenheiten der gesunden Klauen nicht ausgleichen können.
  • Gummiklötze mit Hufnägeln (nur für erfahrene Klauenpfleger zu empfehlen),
  • Holzklötze mit Spezialkunststoffmasse sowie
  • Easy-Bloc der Firma Demotec.

Holzklotz und Easy-Bloc werden von der gleichen Firma vertrieben und mit der gleichen Spezialkunststoffmasse angebracht.

Nicht teurer als Verband

Mit dieser einfachen und relativ billigen Methode sind in der Praxis hervorragende Heilungserfolge möglich.

"In weniger als 10 Minuten ist die kranke Klaue wieder voll belastbar und die Kuh schmerzfrei"

Die Kosten für einen einmaligen Verband liegen etwa in gleicher Höhe, wobei die Heilungsaussichten und die Möglichkeit der Schmerzreduktion für das Tier nicht in dem Umfang möglich sind. Bei Easy-Bloc und Holzklotz ist kein Wechsel erforderlich, der Verband hingegen ist häufig zu erneuern und verteuert wegen des erhöhten Materialverbrauchs und der Mehrarbeit die ganze Behandlung erheblich.

Eine Behandlung mit dem Easy Bloc setzt aber immer eine gesunde Gegenklaue voraus, die während des Behandlungszeitraums einer erhöhten Belastung standhält.

Neben dem Easy-Bloc bietet sich der Holzklotz ebenfalls hervorragend zum Erhöhen des gesunden Hufteils an. Die Verfahrensweise ist die Gleiche, allerdings ist die Klaue und der Holzklotz mit Kunststoffmasse zu bestreichen, wobei im Ballenbereich kein Kleber aufgebracht werden darf, da es sonst zu Druckstellen in diesem für die Kuh schmerzempfindlichen Bereich kommt. Der Holzklotz lässt sich beidseitig verwenden, deshalb beim Bestreichen mit der Kunststoffmasse auf die richtige Seite achten. Den Kunststoff modelliert man mit nassen Händen um Klotz und aufgerauhte Klauenwand wie einen Pantoffel und lässt ihn aushärten. Das weitere Vorgehen entspricht dem beim Easy-Bloc, ebenso das Entfernen. Der Hersteller bietet mit den Bezeichnungen "Demotec 90" und "Demotec 95" verschiedene Klebemassen an, wobei beide nach unseren Erfahrungen gleich gut sind. "Demotec 95" verspricht eine etwas leichtere Handhabung, weil die Masse bereits zu Beginn zäher ist.

Nach Anbringen des Klotzes kann die Kuh wieder ohne Schmerzen gehen. Die kranke Klaue ist entlastet.

Kostenvergleich Holzklotz/Easy-Block (Stück)

  • Holzklotz: 8 DM
  • Easy-Bloc: 10 DM

So bringen Sie einen Easy-Bloc an:

1. Pediküre an der gesunden Klaue durchführen, dabei bereits etwas mehr Horn an der Klaue belassen, da mit diese unempfindlicher gegenüber der Wärmeentwicklung des Kunststoffes wird.

2. Behandlung bzw. korrektes Ausschneiden der kranken Klaue. Dabei soll das gesamte lose Horn entfernt werden und/oder das Geschwür freigelegt werden. Auf Geschwüre an der Lederhaut braucht, wie früher üblich, zum Abheilen kein Druckverband mehr aufgebracht werden.

3. Nun bereiten wir die gesunde Klaue auf das Anbringen des Klotzes oder Easy-Blocs vor: Die Klaue wird - auch an der Außenwand - mit dem Winkelschleifgerät oder mit einer Hufraspel aufgerauht. Die Klaue soll schmutz- und staubfrei sein, damit der Kunststoff sich gut mit der Klaue verbindet.

4. Die Flüssigkeit wird direkt in den Easy-bloc bis zur Markierung gegeben. Dieses Material ist für den unerfahreneren Klauenpfleger leichter zu handhaben als der Holzklotz.

5. Anschließend kommt das Pulver (Kaltpolymerisat) dazu, wird zu einer homogenen Masse verrührt und an der Klaue richtig plaziert.

6. Damit sich der Kunststoff gleichmäßig verteilt, drückt man den Schuh kräftig an und verteilt überschüssigen Kunststoff mit dem Holzspatel in eventuelle Öffnungen um den Easy-Bloc.

Wichtige Tips:

  • Sollten Arbeiten mit den blanken Händen an der Kunststoffmasse zum Formen und Modellieren durchgeführt werden, so sind diese mit Wasser zu benetzen, damit das Kaltpolymerisat nicht an den Händen festklebt.
  • Besondere Sorgfalt gilt dem Klauenspalt. Eine scharfe Kante oder Spitze der harten Klebemasse kann schnell zu Verletzungen führen.
  • Je nach Temperaturhöhe ist der Kunststoff in ca. fünf Minuten ausgehärtet und die Klaue voll belastbar. Bei hohen Temperaturen geht dies sehr rasch, im Winter kann eventuell mit einem Fön die Temperatur künstlich erhöht werden.
  • Die lädierte Klaue eventuell noch mit einem Wund- oder Desinfektionsspray besprühen. Anschließend kann die lahmende Kuh wieder in den Laufstall entlassen werden. Der Easy-Bloc darf nun bis zu vier Wochen dranbleiben, ohne dass eine weitere Kontrolle, wie sie z. B. beim Verband unbedingt erforderlich ist, durchgeführt werden muss.
  • Durch natürlichen Verschleiß verringert sich die Höhe des Easy-Blocs oder des Holzklotzes in dieser Zeit. Nachkontrolle und Entfernen bleibt aber unerlässlich. Spätestens nach vier Wochen sollte diese erfolgen. Zu dem Zeitpunkt weist die behandelte Klaue eine ausreichende Hornschicht auf, die sich gegebenenfalls leicht korrigieren lässt. Vom gesunden Hufteil muss der Rest des Easy-Blocs oder Holzklotzes und die Kunststoffmasse entfernt werden. Dazu benötigt man eine Hauklinge und einen Hammer oder den Winkelschleifer.